Vom Tollen Christian, einem Mord und schallenden Ohrfeigen in Niedernjesa

Mit dem Trecker durch die Dorfgeschichte

Am 10.09.2023 lud der Verein Niedernjesa erleben! e.V. zu einer Treckerfahrt durch die Dorfgeschichte ein. Vier Treckergespanne mit 60 interessierten Personen fanden sich zu einer 2-stündigen Fahrt ein, um mehr über die Dorfgeschichte zu erfahren. Von 20 aufgestellten Stationen auf dem Dorferlebnispfad wurden 5 Stationen vorgestellt.

Christian Habenicht, 1. Vorsitzender, berichtet über das wüst gefallene Schwesterndorf von Niedernjesa, welches „Gunthelmishusen“ genannt wurde und zum Erstaunen aller Anwesenden bis heute nicht genau lokalisiert werden konnte.

Ortsheimatpfleger Stephan Köwing erzählt am Tatort über den Mord an der schwangeren Hanna Bindseil im Jahr 1842 und die öffentliche Hinrichtung ihres Mörders. Der Mord erschütterte damals die Bewohner von Niedernjesa und schaffte es bis in das Augsburger Tageblatt und die Allgemeine Zeitung München. „Bis heute konnten die roten Schuhe vom Opfer nicht gefunden werden!“ berichtet Stephan Köwing.

Im Juli 1623, mitten im 30-jährigen Krieg, schlug der „Tolle Christian“ sein Feldlager für 2 Wochen vor den Toren von Niedernjesa auf. Nach Abzug seines Heeres, mit einer Stärke von 16.500 Mann, blieben zerstörte Dörfer und eine ausgeplünderte und hungernde Bevölkerung zurück. „Wer genau hinschaut, kann die Kontur des Feldlagers noch heute im Gelände erkennen“ heißt es vom Ortsheimatpfleger.

Die Zeitzeugen Gerda Guder und Else Seliger erzählen von den Hochwassern, die Niedernjesa in den Jahren 1909, 1961 und 1981 heimsuchten. Die Kinder von Gerda Guder fuhren 1981 mit einem Schlauchboot durch die Winkelstraße und hatten dabei ihren Spaß. Bei Else Seliger schwammen Konserven und die Gefriertruhe im Keller unter der Decke.

Nach der 2-stündigen Rundfahrt mit vielen Eindrücken berichteten Hans-Heinrich Lenk und Udo Seeve über ihre Schulzeit in der Dorfschule Niedernjesa. In besonderer Erinnerung sind die Lehrkräfte Frau Böhm und Herr Lösekrug geblieben, denen der ein oder andere Streich gespielt wurde. „Da gab es für unpassende Antworten auch mal eine schallende Ohrfeige“, berichtet Udo Seeve der auf die Frage der Lehrerin „Stimmt’s oder habe ich Recht?“ geantwortet hat „Ja stimmt, aber recht haben sie trotzdem nicht“.

Hans-Heinrich Lenk hat im Haus der Lehrkraft eine Bulette aus der Pfanne gemopst und eine weitere angebissen und wieder in die Pfanne zurückgelegt. „Ich wollte mal sehen, ob sie noch weiß, wieviel Buletten sie gemacht hat. Nach der Pause flog ich dann aus der Klasse und meine Schultasche folgte mir in hohem Bogen. Nach Hause konnte ich aber nicht, sonst hätte ich Ärger bekommen. Also habe ich mich bis Schulschluss in der Schule unter der Treppe versteckt.“

Die in diesem Rahmen erstmalig durchgeführte Veranstaltung hat in dieser Art und Weise großen und positiven Anklang gefunden soll im folgenden Jahr wiederholt werden.