Scan der Gründungsurkunde

Ach, es ist schwierig. Selten hat man so etwas wie eine Gründungsurkunde für einen Ort. In den meisten Fällen wird die bestehende Siedlung eher zufällig zu einem bestimmten Zeitpunkt in einem Dokument genannt. Beispielsweise, weil sich zwei Grundherren darüber stritten oder weil jemand aus dem Ort in die Stadt zog und sich fortan nach seinem Heimatort benannte. Spätestens dann hatte der Ort offenbar seinen heutigen Namen getragen, allerdings oft noch in anderer Schreibweise.

Von der Friedel-Holzapfel-Brücke bis nach Rosdorf (westlich der Leine) und auf der östlichen Leineseite bis nach Geismar wurden die Wiesen ab dem Jahr 1875 künstlich bewässert. An das Wirkungsgebiet der Meliorationsgenossenschaft Niedernjesa schließt das der 1884 gegründeten Genossenschaft Rosdorf-Geismar-Reinshof-Niedernjesa an.

Am Morgen des 8. April 1945 verließ die letzte Einheit der Wehrmacht Niedernjesa in Richtung Harz. Gegen 10 Uhr setzte dann aus südwestlicher Richtung Artilleriebeschuss ein.
Die Menschen suchten in Splittergräben, provisorischen Bunkern oder Kellern Schutz. Else Seliger und Otto Weitemeyer flüchteten beispielsweise aus den Rohräckern zu Familie Klinge in den Gewölbekeller.

Das älteste Gebäude in unserem Dorf ist der Turm der St. Laurentius Kirche. Der ehemalige Kreisarchäologe Klaus Grote und der frühere Denkmalpfleger Martin Grewe schätzen den Turmbau ungefähr in das 9. Jahrhundert n. Chr.
Die Besiedlungsgeschichte des Ortes Niedernjesa dürfte jedoch wesentlich älter sein. Dafür spricht die Lage mit dem unverstellten Blick über die Leineaue sowie die Nähe einer uralten Römerstraße kommend von Reinhausen.
Das Kirchenschiff ist im Westen an den Turm angebaut. Das ist für ein sakrales Gebäude untypisch, in der Regel weisen Kirchenschiff und -chor nach Osten.

Milch ist ein Grundnahrungsmittel. In den Jahren nach dem 1. Weltkrieg war sie jedoch nicht sonderlich beliebt. Milch machte damals ein Fünftel der gesamten Landwirtschaftsproduktion aus. Aber sie wurde häufig mit Wasser und anderen Zusätzen gestreckt, um Einkünfte zu verbessern. Der 1926 gegründete “Reichsmilchausschuss“ beschloss daher Maßnahmen zur Milchkontrolle und eine groß angelegte Werbekampagne. Der Imagewandel, der damals erzeugt wurde, wirkt bis heute fort.

In den 1950ern ging es nach den Generalversammlungen der Vereine oft lustig zu. Der Männergesangverein beschloss nach so einer Sitzung den Ziegenbock des Bauern Fette, der schon mit zum Konfirmandenunterricht genommen wurde, nun zu konfirmieren. Er wurde in die Gastwirtschaft Hartmann geholt.

Das erste Feuerwehrhaus stand auf dem Thie. Es beherbergte die pferdegezogene Handkraftspritze und nach dem Zweiten Weltkrieg einen Anhänger mit Motor-Tragkraftspritze. Die weiteren Fahrzeuge – zunächst ein Mannschaftstransportwagen und danach ein Löschgruppenfahrzeug – fanden dann schon ihre Heimat im neuen Feuerwehrgerätehaus.

Im Gedächtnis der Dorfgemeinschaft sind insbesondere drei Hochwasser geblieben: 1909, 1961 und 1981. Im Februar 1909 setzte eine Schneeschmelze ein – bei gleichzeitig gefrorenen Böden führte das zu einem sehr hohen Hochwasser. Otto Weitemeyer und Else Seliger berichten aus den Erzählungen der Eltern.

Gunthelmis… was? Ja, hier handelt es sich um das Schwesterdorf von Niedernjesa – vor langer Zeit aufgegeben und ohne sichtbare Spuren nur noch in sehr alten Urkunden nachzuweisen. Erstmalig wurde der Ort im Jahr 997 mit dem Namen Uuosthalmeshusun in einer Urkunde Ottos III. erwähnt

An etwa dieser Stelle – wo die Infotafel steht – wurde am 2. Januar des Jahres 1842 gegen 6:00 Uhr abends die schwangere Hanna Bindseil aus Niedernjesa Opfer eines Mordes. Tags darauf wurde im Rothebach eine Weibermütze und ein Frauenhaarkamm gefunden. Etwa 7 ½ Meter nördlich des Baches in Richtung Reinshof fand man einen Mantel und weitere 14 ½ Meter ein Laken. All diese Gegenstände verlor Hanna, als sie vergeblich um ihr Leben rannte.