Herzlich Willkommen in Gunthelmishusen

Gunthelmis… was?

Ja, hier handelt es sich um das Schwesterdorf von Niedernjesa – vor langer Zeit aufgegeben und ohne sichtbare Spuren nur noch in sehr alten Urkunden nachzuweisen.

Erstmalig wurde der Ort im Jahr 997 mit dem Namen Uuosthalmeshusun in einer Urkunde Ottos III. erwähnt (Schenkung einer Königshufe (Flächenmaß eines bewirtschafteten Ackers) in Uuosthalmeshusun an Thietburg, die Schwester Bischof Bernwards von Hildesheim) – später dann unter dem Namen Gunthelmishusen auch in Urkunden des Klosters Reinhausen. Letztmalig tauchte Gunthelmishusen im Jahr 1457 als Wüstung auf, d. h. als Siedlung, die aufgegeben worden ist.

In unserer Region kommt auf jedes heute existierende Dorf ungefähr ein Dorf, welches im Laufe der Zeit wüst gefallen ist. Gunthelmishusen befand sich wahrscheinlich dort, wo heute der Wüster Berg ist – ca. einen Kilometer nord-östlich von Niedernjesa. Allein der Name „Wüster Berg“ könnte darauf hindeuten, dass vor langer Zeit hier eine Wüstung gelegen hat. Im Laufe der Jahrhunderte ist nach der Aufgabe des Ortes zunächst das Beiwort Wüstung hinzugekommen bevor der Ortsname verschwand.

Die Geschichte der Namensnennung deutet darauf hin, dass der Ort mit Beginn des Spätmittelalters (ca. 1250) wüst gefallen ist. Über die Gründe für die Aufgabe lässt sich nur spekulieren. Sie dürften sich aber mit den allgemeinen Gründen aus dieser Zeit decken: u. a. ungünstige Standorte (Wassermangel), Agrarkrisen, Missernten und Bevölkerungsrückgang.

Der Name Gunthelmishusen wird in der Literatur auf zwei Weisen gedeutet. Der Historiker Heimart Freiherr von Uslar-Gleichen verbindet Helmishausen mit dem altsächsischen Wort holmo und deutet es als „Hochland“ mit der Bedeutung „Hügel“. Gunt wiederum sei mit dem mittel-niederdeutschen Wort von gunteke „Krug, Schankgefäß“ verbunden und trage die Bedeutung „Schlucht, Tal“. Somit lässt sich Gunthelmishusen als „Das Haus auf dem Hügel an der Schlucht“ in heutiges Hochdeutsch übersetzen.

Schaut man sich die geografische Lage an, stimmt dies auffallend überein. Der Wüster Berg liegt direkt an der Schlucht, die der Wendebach in die Landschaft gegraben hat.

Wahrscheinlicher ist aber die Deutung der Ortsbenennung nach dem Familiennamen Gunthelmes oder auch Gundhelm. Es wäre also demnach der Ort gewesen, wo die Familie Gundhelm wohnte. Altsächsisch bedeutet gund „Kampf“ und helm „Helm“.

Text: Christian Habenicht

Bilder: Archäologie-Karte
Klaus Grote; Abschrift

Schenkungsurkunde
Otto III. von 997