Schule Niedernjesa – 300 Jahre Lernen in Niedernjesa

Erst mit der Reformation und die durch Martin Luther im Jahr 1524 formulierte Aufforderung „An die Ratsherren aller Städte“ christliche Schulen einzurichten, wurde im deutschsprachigen Raum begonnen, Bildung als notwendige Voraussetzung zur individuellen und gesellschaftlichen Entwicklung zu begreifen.

Bis hin zur gesetzlichen Einführung der allgemeinen Schulpflicht war es allerdings ein weiter Weg. Vor allem in weiten Teilen der Landbevölkerung wurde der Schulbesuch der Kinder häufig kritisch betrachtet, da deren Arbeitskraft im häuslichen Betrieb dringend benötigt wurde. Im Königreich Hannover wurde 1845 die Schulpflicht für Kinder vom 6. bis 14. Lebensjahr eingeführt. So ist es erstaunlich, dass der Betrieb einer öffentlichen Schule (im Gegensatz zu den Klosterschulen des Mittelalters) in Niedernjesa bereits 1704 erstmalig erwähnt wurde, wobei der Bau des Schulhauses um 1690 erfolgte.

Im Schulhaus (Fachwerkhaus neben dem heutigen Dorfgemeinschaftshaus) war gleichzeitig die Lehrerwohnung untergebracht. Nach dem Ausbau im Jahr 1782 wurde dieses bis zum Ende des Schulbetriebes in Niedernjesa als Lehrer-Dienstwohnung genutzt.

Text und Bilder: A. Lösekrug, Hans Ristau, Erwin Zingrebe; Dorfchronik S. 121-133

Nachstehende Schulordnung will eine gedeihliche Zusammenarbeit zwischen Elternhaus und Schule gewährleisten, der Erziehungsarbeit an den Kindern einen festen, äußeren Rahmen geben und Störungen von der Unterrichtsarbeit fernhalten.

  1. Den Erziehungsberechtigten (Eltern, Vormund) obliegt die Pflicht, das eingeschulte Kind sauber gewaschen und gekleidet regelmäßig und pünktlich zum Unterricht zu schicken. Sie achten insbesondere darauf, dass es vor dem Schulweg die Morgenmahlzeit eingenommen hat und versorgen es auch für die Schulzeit ausreichend mit Brot. Sie rüsten es aus mit den an der Schule eingeführten Lehrbüchern, mit Schreibmaterial, Heften, Turnkleidung u.a. Bedürftige Kinder werden nach Möglichkeit durch die Hilfsbücherei versorgt.
  2. Dauer und Lage des Unterrichts ist durch den Stundenplan festgelegt. Die Schule wird 10 Minuten vor Beginn des Unterrichts geöffnet. Die Schüler versammeln sich auf dem Schulplatz und gehen mit dem Lehrer in die Klasse.
  3. Während der Pause verlassen grundsätzlich alle Kinder Klassenraum und Treppenhaus und halten sich auf dem Schulplatz auf. Nur bei ungünstigem Wetter wird der Aufenthalt im Klassenraum angeordnet. Es ist verboten, den Schulplatz in der Pause ohne Erlaubnis des Klassenlehrers zu verlassen. Die Aborte sind auf dem kürzesten Wege aufzusuchen. Der Aufenthalt auf dem Weg um den Dienstgarten der Schule ist untersagt.
  4. Bei Erkrankungen ist das Kind durch den Erziehungsberechtigten schriftlich zu entschuldigen.
  5. Urlaub kann nur in dringenden Fällen gewährt werden und muss vorher von den Erziehungsberechtigten persönlich oder schriftlich nachgesucht werden. Beurlaubungen, die den Zeitraum von 2 Wochen überschreiten, und Urlaub im unmittelbaren Anschluss an die Schulferien bedürfen der Genehmigung durch den Kreisschulrat. Jedes unentschuldigte Schulversäumnis ist strafbar.
  6. Schulwanderungen, Schulfeiern, Besichtigungen und Ähnliches sind schulpflichtige Veranstaltungen, auch wenn sie außerhalb der normalen Unterrichtszeit liegen. Unentschuldigtes Fernbleiben gilt als Schulversäumnis.
  7. Bei einem Schulwechsel müssen die Kinder durch die Erziehungsberechtigten ordnungsgemäß beim Klassenlehrer und Schulleiter abgemeldet werden.
  8. Den Erziehungsberechtigten ist der Besuch des Unterrichts nach vorhergehender Vereinbarung gestattet. Persönliche Auskünfte über die Kinder erteilt der Klassenlehrer außerhalb der Unterrichtszeit. Allgemeine Elternwünsche sind an die Klassenelternschaft bzw. den Elternrat zu leiten. Unstimmigkeiten irgendwelcher Art sind tunlichst durch eine Aussprache zwischen den Erziehungsberechtigten und der Lehrperson zu klären. Bei Weiterungen sind die Fälle dem Schulleiter und gegebenenfalls der Schulaufsichtsbehörde zu unterbreiten.
  9. Die Erziehungsberechtigten haften für den Schaden, der böswillig und vorsätzlich an den Räumen, Einrichtungsgegenständen und Lehr- und Lernmitteln der Schule durch die Kinder verursacht wird. Verunreinigungen jeglicher Art müssen durch die betreffenden Kinder selbst oder auf Kosten der Erziehungsberechtigten beseitigt werden. Außerhalb der Schulzeit ist den Kindern das Betreten des Schulhauses nicht gestattet.
  10. Bei ernstlichen Verfehlungen der Kinder werden die Erziehungsberechtigten durch den Lehrer schriftlich oder durch Hausbesuch unterrichtet.
  11. Der Elternrat ist das Bindeglied zwischen Elternschaft und Schule. Seine Wahl und seine Obliegenheiten sind durch den Ministerialerlass K III / Rö 600 /48 vom 18.3.48 festgelegt.