Thie

Der Thie liegt an der Durchgangsstraße im Ortskern unterhalb der Kirche.

Thie (in wissenschaftlicher Schreibung Tie) waren in Dörfern des Mittelalters (vielleicht auch schon in germanischer Zeit) mit Mauern eingefriedete und erhöhte grasbewachsene Plätze, auf denen ein steinerner Tisch unter Linden stand. Hier wurden Versammlungen der Bauern, Bekanntmachungen, Gerichtsverhandlungen der niederen Gerichtsbarkeit und in späterer Zeit Feste der Bauern abgehalten. Viele Plätze im ostniederländischen und nordwestdeutschen Raum, etwa bis zur Elbe, tragen noch heute den Namen Thieplatz oder Thiestätte. Der Thie (älter: das Thie) hatte lokalen Bezug und befand sich in der Regel innerhalb von Ortslagen kleiner Siedlungen, während eine Thingstätte eher regionale und überregionale Bedeutung hatte.[1]

Geschichte
In vorchristlicher Zeit sollen Thieplätze auch kultischen Spielen gedient haben. Der Platz war mit Bäumen bestanden, bei denen es sich meistens um Linden handelte („Thielinde“). Auch markante Steine („Thiesteine“) lassen sich an manchen dieser Plätze nachweisen. Oft tritt der Begriff Thie auch im Zusammenhang mit Berg auf (Thieberg).

Bisher nicht geklärt ist, ob alle Dörfer einen Tie besaßen. Es wurde aber wahrscheinlich gemacht, dass die Lücken in der Erfassung nicht nur auf fehlende Nachweise zurückzuführen sind. Insbesondere in den Randgebieten gibt es Untersuchungen, die sich mit den Flurnamen eines Teilgebietes (etwa des Kreises Wanzleben in der Magdeburger Börde oder des Kreises Verden) beschäftigten und dort nur für einen Viertel oder sogar noch weniger Orte Tie-Namen nachweisen konnten. Besonders wichtig ist aber die Feststellung Klöntrups, dass im Grenzbereich Osnabrück-Westfalen nicht jede Bauernschaft auch einen Bauernrichter hatte, woraus man wohl schlussfolgern darf, dass auch nicht jeder Ort einen separaten Tie besaß. [1]

Schreibweise
Die Schreibweise von „Thie“ kann dabei sehr unterschiedlich sein. Es kommen unter anderem auch „Tie, Ti, Tig, ty, Thy“ und „Thee“ vor. Auch Lautwandlungen von „T“ zu „D“ sind häufig festzustellen (Diestedde).

Grundsätzlich lässt sich sogar so gut wie jede Vokalkombination nachweisen. Karl Bischoff (1971) vermutet, es handele sich dabei teilweise um ost- und westfälische Laienschreibungen, darunter Tei, Toi, Teu, Tui, Töi, Tai oder Tee, welches aber auch in anderen Regionen (etwa Ostfriesland, wo es auch Te und Thee gibt) vorkommt. Noch vielfältiger werden die Formen durch die häufige Verwendung der Dativform auf dem Tie, in die sich j und g einschieben. So finden sich up’n Täje, Teije, Tyge. Diese lassen sich aber auch im Nominativ finden. So gibt es mehrfach Tiech oder Tieg, Taig oder Tyg, wobei es sich zum Teil um Zusammensetzungen wie Tyghus oder Taigstrate handelt. Allein für Geestendorf (Bremerhaven) lassen sich Te (1684), Thee (1739), Teyland (1845) und Theeland (1849) nachweisen. [1]

Namensherkunft
Der Begriff Thie ist vermutlich verwandt mit dem altenglischen Wort tig oder tih und dem altnordischen teigr, was beides einen Hof, Platz oder ein Stück Land bezeichnete. Mit dem Wort Thing für die Gerichtsversammlung hat er demnach nichts zu tun, auch wenn dies noch in heutigen heimatkundlichen und populärwissenschaftlichen Werken gelegentlich behauptet wird. Aufgrund dieser im 19. Jahrhundert öfters vermuteten Verbindung wird jedoch heute manchmal der ursprüngliche Thieplatz auch als Thingplatz bezeichnet. [1]

Beschreibung
Leicht nach Süden erhöhter, rechteckiger Tieplatz. Südlich und westlich von einer Steinmauer abgegrenzt. Nach Norden flach auslaufend. Maße: ca. 5 x 6 m. Wahrscheinlich früher größere Ausmaße und wegen Straßenführung verkleinert. Tiestein: 1,00 x 1,30 m, H. 1,60 m. Steinplatte: 0,30 m hoch. Steinbank: 1,20 x 0,40 m, H. 0,30 m. [2]

Textquellen

[1] Wikiwand

[2] Denkmalatlas Niedersachsen